!NieWieder – Lernen aus der Geschichte des Fußballs

Das NS-Regime hat sich den Sport auf unterschiedliche Weise zu Nutze gemacht. Sport
sollte unter anderem Arbeitsmoral und Kriegstüchtigkeit steigern und die
Freizeitgestaltung normieren. Vor allem diente der Sport als Propagandamittel. Die
Olympischen Spiele vor 90 Jahren waren das sportliche Großereignis schlechthin, das
die Nazis dafür nutzten, ihre Macht zu demonstrieren und ihre Ideologie zu verankern
– weit über Deutschland hinaus.
Sport und Fußball – nie unpolitisch
Auch der deutsche Fußball mit seinen englischen Wurzeln und seinen vielen jüdischen
Pionieren wie Walther Bensemann, der im Jahr 1900 an der Gründung des DFB
beteiligt war und 1920 den „kicker“ ins Leben rief, war nicht immun gegen den
nationalsozialistischen Hass. Im Gegenteil: Viele Vereine wirkten an der Entrechtung
jüdischer Bürger aktiv mit – obwohl die NS-Führung dies im Sport mit Rücksicht auf die
Olympischen Spiele 1936 zunächst nicht forcierte. Es bedurfte vielerorts also nicht
einmal von oben verordneter Gleichschaltung. Selbst für Nationalspieler wie Julius
Hirsch, der mit dem von Bensemann gegründeten Karlsruher FV 1910 Deutscher
Meister wurde, war in ihrem Sport kein Platz mehr. Hirsch wurde in Auschwitz ermordet.
Viele führende Sportfunktionäre blieben trotz alledem nach 1945 in ihren Ämtern.
Mehr als ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis Vereine und Verbände mit der
Aufarbeitung ihrer Rolle während der NS- Zeit begonnen haben.



