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Frauen

FSA Women’s Week: Zwischen Mut, Leidenschaft und gelebter Integration

30.04.2026
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Robert Kegler
Foto: Verein
Im Rahmen der FSA Women’s Week rückt der Fußballverband Sachsen-Anhalt inspirierende Frauen in den Mittelpunkt, die den Fußball nicht nur leben, sondern aktiv gestalten. Eine von ihnen ist Alizeta Zoungrana.

Ihr Weg ist außergewöhnlich: Geboren in Burkina Faso, wo Mädchenfußball keineswegs selbstverständlich war, kämpfte sie bereits früh für ihre Leidenschaft und gegen gesellschaftliche Grenzen, Vorurteile und Widerstände. Heute lebt Alizeta in Deutschland und bringt ihre Erfahrungen, ihre Stärke und ihre Begeisterung mit großem Engagement beim FC Victoria Wittenberg ein. Dort ist sie nicht nur als Nachwuchstrainerin aktiv, sondern übernimmt auch als Integrationsbeauftragte eine bedeutende gesellschaftliche Rolle im Verein.



Im Interview spricht sie über ihren bewegenden Lebensweg, die Bedeutung des Fußballs in ihrem Leben, Herausforderungen als Frau im Sport sowie ihre Vision für eine offenere, gerechtere Zukunft im Amateurfußball.


Was bedeutet dir Fußball heute?


Fußball ist mein Herz. Es ist das Gefühl von Freiheit, das ich als Kind so oft gesucht habe. Heute darf ich es leben, ohne Angst, ohne Verstecken. Und das Schönste ist: Ich kann dieses Gefühl an Kinder weitergeben.


Wenn du auf deinen Weg zurückblickst: Was hat dich besonders geprägt?


Diese Sehnsucht, einfach nur spielen zu dürfen. Dieses Gefühl, anders zu sein und trotzdem nicht aufzugeben. Jeder kleine Moment auf dem Platz war für mich damals ein Sieg. Das hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.


Du durftest als Mädchen in deiner Heimat eigentlich nicht Fußball spielen. Wie hat dich diese Erfahrung geprägt?


Es war nicht einfach. Ich bin in eine Familie hineingeboren worden, in der der Platz für ein Mädchen nicht auf dem Fußballfeld war, sondern ausschließlich Jungen vorbehalten war. Da Fußball meine Leidenschaft war, schlich ich mich immer heimlich zu den Jungen, um mit ihnen zu spielen, besonders weit weg von zu Hause. Das hat mich stark gemacht. Ich weigerte mich, mir vorschreiben zu lassen, was ich durfte und was nicht. Heute kämpfe ich dafür, dass kein Mädchen jemals wieder so etwas erleben muss. Heute setze ich mich mit der Unterstützung des FC Victoria Wittenberg dafür ein, dass kein Mädchen jemals wieder so etwas erleben muss. Mein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an den FC Victoria Wittenberg und an den SV Einheit Wittenberg für ihre Spenden von Sportsachen wie Bällen, Fußballschuhe und Trikots für die Unterstützung den Frauenmannschaften im Burkina Faso.


Wie erlebst du heute die Rolle von Frauen im Amateurfußball in Deutschland im Vergleich zu früher?


Es ist besser geworden. Aber ich spüre noch oft, dass wir uns mehr beweisen müssen. Trotzdem: Wir werden lauter, sichtbarer und stärker. Und das macht mich stolz.


Du engagierst dich stark für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Verein. Welche Rolle spielt Fußball dabei?


Fußball ist eine Sprache, die jeder versteht. Wenn Kinder zusammen lachen, spielen und gewinnen, dann verschwinden Unterschiede. Genau das macht den Fußball so wertvoll.


Du bist Trainerin im Jugendbereich: Was ist dir im Umgang mit Kindern besonders wichtig?


Ich möchte, dass jedes Kind sich gesehen fühlt. Nicht nur als Spieler, sondern als Mensch. Es geht nicht nur um Tore, es geht um Selbstvertrauen, Mut und Zusammenhalt.



Siehst du dich als Vorbild – besonders für Mädchen oder junge Frauen?


Ja und manchmal bekomme ich Gänsehaut, wenn ich merke, dass mich jemand so sieht. Wenn ein Mädchen zu mir aufschaut und denkt „Das kann ich auch schaffen“, dann ist das unbezahlbar.


Welche Botschaft möchtest du Mädchen mitgeben, die sich vielleicht noch nicht trauen, Fußball zu spielen oder sich im Verein zu engagieren?


Trau dich! Wirklich! Warte nicht darauf, dass dir jemand die Erlaubnis gibt. Geh deinen Weg. Du bist stark genug, auch wenn du es vielleicht noch nicht weißt.


Begegnen dir im Alltag noch Vorurteile oder Hürden als Frau im Fußball?


Ja, die gibt es. Aber sie halten mich nicht auf, sie treiben mich eher an. Ich will zeigen, dass Leidenschaft und Kompetenz nichts mit Geschlecht zu tun haben.


Was braucht es aus deiner Sicht, damit mehr Frauen Trainerinnen, Funktionärinnen oder Spielerinnen werden?


Mut, Motivation, Unterstützung und Menschen, die an sie glauben. Oft fehlt nicht das Talent, sondern das Vertrauen. Das müssen wir ändern. Du bist nicht nur Trainerin, sondern auch im Vorstand aktiv.


Was motiviert dich, so viel Zeit in den Verein zu investieren?


Weil ich weiß, wie viel dieser Verein geben kann. Ich möchte etwas zurückgeben und dafür sorgen, dass andere die Chancen bekommen, die ich mir früher gewünscht habe.


Welche Veränderungen wünschst du dir konkret für die Zukunft des Amateurfußballs?


Mehr Wertschätzung. Mehr Gleichberechtigung. Und mehr Mut, neue Wege zu gehen, für Kinder, für Mädchen, für alle.



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