Jana Kilian: "Nur zusammen können wir etwas erreichen"

Frau Kilian, was hat Sie dazu motiviert, für das Amt der Präsidentin des KFV Wittenberg zu kandidieren?
Mich motivieren vor allem meine Leidenschaft für den Fußball und der Wunsch, den KFV Wittenberg aktiv weiterzuentwickeln. In den letzten 12 Jahren war ich bereits als Jugendausschussvorsitzende tätig. Nun möchte ich als Präsidentin Verantwortung übernehmen und neue Impulse setzen. Besonders wichtig sind mir Transparenz und ein enger Austausch mit den Vereinen. Gemeinsam mit einem engagierten Team möchte ich nachhaltige Lösungen entwickeln – denn nur zusammen können wir etwas erreichen.
Ihre Kandidatur wird vielerorts als starkes Signal gesehen – insbesondere im Hinblick auf mehr Frauen im Fußball. Welche Bedeutung messen Sie diesem Aspekt bei?
Ich freue mich über diese Wahrnehmung, für mich steht aber der Fußball im Mittelpunkt. Gleichzeitig ist Sichtbarkeit wichtig: Wenn meine Kandidatur Frauen ermutigt, Verantwortung zu übernehmen, ist das ein positiver Effekt. Entscheidend sind jedoch echte Teilhabe und Chancengleichheit – unabhängig vom Geschlecht. Vielfalt stärkt den Fußball insgesamt.
Glauben Sie, dass sich dadurch auch die Wahrnehmung von Frauen im Fußball nachhaltig verändern kann?
Ja, aber nicht durch einzelne Kandidaturen, sondern durch Kontinuität und strukturelle Veränderungen. Wenn Frauen dauerhaft in verschiedenen Funktionen präsent sind, wird das zunehmend selbstverständlich. Das hat eine nachhaltige Wirkung – besonders für junge Mädchen.
Der Fußballverband Sachsen-Anhalt hat 2026 als Fokusjahr zur Gewinnung von Frauen und Mädchen ausgerufen. Welche Rolle spielt der KFV Wittenberg dabei?
Als Kreisverband sind wir die Schnittstelle zwischen Verband und Vereinen und können entscheidend zur Umsetzung beitragen. Erste positive Entwicklungen sind bereits sichtbar: mehr Angebote für Mädchen sowie mehr Frauen in Trainer- und Vorstandsrollen. Wichtig bleiben passende Rahmenbedingungen wie flexible Trainingszeiten, Kooperationen mit Schulen und eine offene Vereinskultur, damit sich Mädchen und Frauen langfristig wohlfühlen.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen im Kreisfußball?
Die Herausforderungen sind vielfältig: Der demografische Wandel erschwert die Gewinnung von Spielerinnen und Spielern, besonders im Nachwuchs. Gleichzeitig wird es schwieriger, Ehrenamtliche zu finden und zu halten. Auch Infrastruktur und finanzielle Mittel stellen viele Vereine vor Probleme. Hinzu kommt die Konkurrenz durch andere Freizeitangebote sowie organisatorische Themen wie lange Fahrstrecken oder Spielgemeinschaften. Entscheidend ist, diese Entwicklungen gemeinsam aktiv zu gestalten.
Welche Themen möchten Sie besonders voranbringen?
Sportlich möchte ich den Spielbetrieb praxisnah und attraktiv weiterentwickeln. Strukturell liegt mein Fokus auf der Talentförderung – insbesondere durch ein mögliches Förderzentrum Ost in Zusammenarbeit mit dem FSA. Gesellschaftlich sehe ich den Fußball als wichtigen Ort der Begegnung. Dabei ist es entscheidend, das Ehrenamt zu stärken und sichtbarer zu machen.
Wie möchten Sie die Kommunikation zwischen Verband und Vereinen verbessern?
Kommunikation ist die Grundlage für Vertrauen und sollte wertschätzend, offen und lösungsorientiert sein. Mir ist ein dialogorientierter Austausch wichtig: zuhören, Feedback aufnehmen und Entscheidungen transparent erklären. Informationen müssen verständlich, kompakt und praxisnah sein.
Was braucht es, damit mehr Frauen Führungspositionen im Fußball übernehmen?
Viele Frauen sind bereits qualifiziert, werden aber oft nicht aktiv angesprochen. Hier müssen Vereine und Verbände gezielter handeln. Netzwerke und Fortbildungen können zusätzlich unterstützen. Entscheidend ist eine Kultur der Wertschätzung und Chancengleichheit. Es geht nicht um Quoten, sondern darum, Vielfalt als Stärke zu begreifen.



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